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Dr.med. Norbert Jahns Facharzt für Allgemeinmedizin

Akupunktur-News

Präzis gegen den Schluckauf

Nach großen Operationen kann ein Schluckauf anhalten und die Heilung ernsthaft beeinträchtigen. Auf Pharmaka ist oft kein Verlass. Was ist zu tun? Erfolgreich setzen Schmerzmediziner in den USA Akupunkturnadeln ein.

Da nahezu jeder sein spezielles Gegenmittel hat, ist nach wenigen Minuten alles vorüber: Der Schluckauf ist vergessen. Wer kennt es nicht, das lästige Symptom, unter Ärzten Singultus genannt? In Boston, USA, haben Schmerzmediziner einen „Akupunkturdienst“ geschaffen, den Medical Acupuncture Service. Dessen Hauptklientel sind neben Patienten mit Schmerzen und Verdauungsstörungen auch Träger von Spenderorganen, die häufig an anhaltendem Schluckauf leiden.

Das starke Interesse an Techniken der Komplementär- und Alternativmedizin (CAM), darunter Akupunktur, hat dazu geführt, dass diese inzwischen einen festen Platz in den Gesundheitssystemen behaupten. Dies trifft nicht nur für niedergelassene Ärzte zu - längst stehen wichtige CAM-Verfahren in vielen Kliniken bereit.

Der Fall: anhaltender Schluckauf nach Transplantation

Während offene Operationen immer seltener werden, weil der endoskopische Eingriff, die „Medizin durchs Schlüsselloch“, an der Tagesordnung ist, machen Organeinpflanzungen noch immer großzügige, übersichtliche Operationsfelder notwendig. Die Folgen sind entsprechend große Irritationen sowohl an benachbarten als auch an weit entfernt liegenden Organen, die bei einigen Patienten langfristig bestehen bleiben. In einem US-amerikanischen Fachjournal für Transplantationsmediziner schildert Dr. Yuan-Chi Lin vom Medical Acupuncture Service einen solchen Fall.

In Lins Klinik wurde ein 36-jähriger Mann eingewiesen, der drei Wochen zuvor eine Herz-Lungen-Transplantation überstanden hatte. Notwendig war diese komplizierte und riskante Operation wegen eines angeborenen schweren Herzfehlers geworden. Die aktuellen Aufnahmebefunde ergaben neben der Hauptdiagnose - plötzliche Transplantatabstoßung - einen anhaltenden Schluckauf.

Medikamente sind häufig nicht sicher genug

Der Schluckauf wird von wiederholten, willentlich nicht steuerbaren Krämpfen der Atemmuskulatur, besonders des Zwerchfells, verursacht. Ein solcher Krampf löst eine ruckartige hörbare Einatmung aus, die mit einem lauten Herunterklappen des Kehldeckels endet. Meistens handelt es sich um eine harmlose Fehl- oder Überreaktion, die nach kurzer Zeit ohne bestimmte Maßnahmen abklingt. Nach offenen Operationen an Bauch und Brustkorb tritt diese Reaktion jedoch deutlich häufiger auf. Hält sie auch nach längerer Zeit an, muss an eine Behandlung gedacht werden, um v.a. Schlafstörungen und Erschöpfungszuständen vorzubeugen.

Die Schulmedizin setzt einerseits Medikamente ein, die z.B. die Erregungsübertragung von den Nerven auf das Zwerchfell blockieren oder Gegenimpulse auslösen sollen. Zur Verfügung stehen zahlreiche bekannte Substanzen aus den verschiedensten Wirkstoffgruppen, darunter Atropin, Omeprazol und Lidocain. Häufig scheitert eine Pharmatherapie an Komplikationen und Nebenwirkungen, wie sie z.B. bei der Blockade des Zungen-Schlund-Nervs (Nervus glossopharyngeus) auftreten.
Hinzu kommen einige nicht-pharmakologische Methoden, deren Wirksamkeit jedoch bei vielen Patienten zu wünschen lässt. Lin führt u.a. die Rückatmung von Kohlendioxid, sowie Reizungen von Schluckmuskeln an.

Zwei Nadeln, zwei Akupunkturpunkte

Im vorliegenden Fall besserte die Kombination zweier Medikamente zwar den Schluckauf, gleichzeitig beeinträchtigten sie jedoch die Wirksamkeit des lebenswichtigen Ciclosporins. Letzteres ist für Träger von Spenderorganen unverzichtbar, weil es die natürliche Abwehrreaktion des Körpers unterdrückt. Die behandelnden Ärzte entschieden sich dafür, den „Akupunkturdienst“ hinzuzuziehen. Als Lin den Patienten untersuchte, kämpfte der gerade gegen einen Dauerschluckauf von durchschnittlich 20 bis 25 Einzelzuckungen in der Minute.

Der Autor empfahl dem Patienten eine Akupunktur, der dieser zustimmte. Lin entschied, zwei symmetrische Punkte (BL-17) mit klassischen Nadeln zu reizen. Die Punkte BL-17 liegen auf beiden Rückenseiten neben dem Dornfortsatz des siebten Brustwirbels. Nach Erreichen der in 6 mm Tiefe liegenden Punkte beließ Lin die Nadeln für 20 Minuten am Ort. Ergebnis: Der Behandelte, so Lin, habe sich bereits in der dritten Minute deutlich besser gefühlt, denn der Schluckauf sei umgehend und vollständig zurückgegangen. Lin berichtet weiter, darüber hinaus habe der Patient auch in den folgenden 12 Monaten keine Wiederholung des lästigen Phänomens verspürt.

Nadel vereint Wirksamkeit und Sicherheit

Der geschilderte Fall zeigt klar die Vorteile der von Lin dargestellten Therapie. Der Autor fasst zusammen, die Methode des Medical Acupuncture Service sei wirksam, frei von Nebenwirkungen und daher extrem sicher. Diese Nadelung sei nicht nur Medikamenten überlegen, auch gegenüber von Kombinationen mehrerer Nadeln an verschiedenen Punkten, schneide die beidseitige BL-17-Reizung sehr gut ab.

„Das ist wieder ein schönes Beispiel dafür, daß Akupunktur deutlich mehr ist als Schmerztherapie“, meint dazu Dr. Bernd Ramme, Pressesprecher der Deutschen Akademie für Akupunktur und Aurikulomedizin (DAAAM). „Sicher, der Schmerz steht derzeit im Mittelpunkt unserer Bemühungen. Dennoch erwartet die aufgeschlossene Bevölkerung zu Recht mehr von der Methode und von denen, die sie anbieten. Und seriös ausgebildete Akupunktur-Ärzte können das auch leisten.“

Quelle:
Lin YC: Acupuncture for persistent hiccups in a heart and lung transplant recipient. J Heart Lung Transplant 2006:25,126.

www.akupunktur.de/dr.jahns